Friedensgebet, Brief aus Mandacaru

Friedensgebet 7.7.2021
Mein Name ist Doris Brock und ich bin die Vorsitzende des Eine Welt Ladens Pirapora.
Ich hoffe, Sie kennen uns aus unserem Laden in der Auenstraße oder von unserem Marktstand samstags auf dem Wochenmarkt. Wenn nicht, dann darf ich Sie einladen, uns zu besuchen und sich bei uns umzuschauen.
Wir verkaufen in unserem Laden und auf dem Markt Waren aus fairem Handel. Ungefähr 20 ehrenamtliche Mitarbeiter:innen kümmern sich darum, dass der Laden läuft und dass
wir Ihnen ein gutes und schönes Sortiment an Lebensmitteln, Schmuck und Kunsthandwerk anbieten können. Die Lebensmittel, die wir anbieten, sind übrigens aus biologischem Anbau.
Der faire Handel setzt sich dafür ein, dass die Produzenten für ihre Rohstoffe und Produkte faire Preise erhalten. Der faire Preis ist ein gerechter Preis. Durch langfristige Handelsbeziehungen werden die Rechte und Arbeitsbedingungen von Arbeiterinnen und Arbeitern gesichert. Vor allem Kleinbauern und Kooperativen stehen im
Mittelpunkt, die im Welthandel sonst benachteiligt werden. Kinderarbeit und Zwangsarbeit ist natürlich ausgeschlossen. Weiterbildung und Schulbildung wird gefördert. Die Partner verp-
flichten sich zur gegenseitigen Einhaltung der Vereinbarungen, sowohl was den Abnahmepreis, als auch was die Arbeitsbedingungen
betrifft.
Bei uns bezahlen Sie mehr für die Waren als beim Discounter. Das bedeutet nicht, dass im Kaufpreis eine Spende enthalten wäre. Der faire Preis ist ein gerechter Preis. Die Menschen, die dafür gearbeitet haben, haben das verdient. Ich habe als Konsument kein Anrecht auf eine billige Tafel Schokolade, ein billiges Päckchen Kaffee oder ein
billiges T-Shirt. Dafür mussten viele Menschen arbeiten: der Kakao, die Kaffeebohnen und die Baumwolle mussten angebaut, gegossen und geerntet werden, weiterverarbeitet, verpackt, verschifft. Wenn die Tafel Schokolade dann 50 ct oder das T-Shirt 5 € kostet – wie soll das gehen? Die Sachen haben ihren Wert, vor allem durch die viele Arbeit, die in ihnen steckt und die vielen Hände durch die sie gegangen sind.
Wenn ich als Verbraucher nicht dafür bezahle, dann bezahlt es jemand anderes für mich.
Ich möchte Ihnen gerne ein Produkt vorstellen, das für eine ganze Reihe von Produkten steht: Fairafric, die Schokolade aus Ghana. Bei dieser Firma wird das ganze Produkt in Ghana hergestellt, nicht nur der Kakao nach Europa geliefert und dort produziert. Auf diese Weise werden zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen und vor allem auch gut
qualifizierte Arbeitsplätze. Man braucht Laborantinnen, Verwaltungskräfte, Betriebswirtschaftlerinnen, Vetriebsmitarbeiter, EDV-Spezialistinnen, Designer u.v.a.m. So bleibt ein viel größerer Anteil des Schokoladentafelpreises beim Hersteller.
Wir verkaufen die Schokolade im Laden und wenn Sie sich von der Qualität überzeugen wollen, dann dürfen Sie sie gerne probieren.
Der faire Preis ist ein gerechter Preis. Und gut schmecken darf es dann beiden, dem der es herstellt und dem, der es genießt.
 
Brief aus Mandacaru:
Centro de Formação Mandacaru de Pedro II
Rua Monsenhor Uchôa, 270 centro – 64.255000 Pedro II-Piauí
cfmandacaru@hotmail.com-cfmandacaru.org
Pedro II,
20. Juli 2021
Liebe Freunde von Pirapora e.V.(und Campo Limpo e.V. und
Körnchen Reis)
 
Die Hälfte des Jahres 2021 ist bereits verstrichen und es ist durch
die Ausbreitung des Corona-Virus in den ersten Monaten ein Jahr
großer Schwierigkeiten. Die Pandemie hat uns sehr hart getroffen und tut es immer noch, da viele Menschen erkrankt sind und jeden Tag viele sterben. Trotz der offensichtlichen Schwere des Problems
verweigert die Regierung weiterhin, die entsprechenden Maßnahmen zur Vorbeugung und Bekämpfung der Krankheit zu ergreifen.
Die Regierung lehnt das Tragen von Masken ebenso ab wie die
Verordnung von Abstandsregelungen und die Impfungen. Erst
nachdem die Senatoren Nachforschungen durch einen parlamen-
tarischen Untersuchungsausschuss (Comissão Parlamentar de Inquéritos, CPI) eröffnet haben, um die Versäumnisse der Regierung ans Licht zu bringen, hat Bolsonaro begonnen, die Beschaffung von Impfstoffen in größerem Maße in die Wege zu leiten. Trotzdem
ist die Impfkampagne hier in Brasilien sehr langsam, es sind
weniger als 20% der Bevölkerung bisher vollständig geimpft. Diese
Situation erfordert weiterhin größtes Augenmerk auf alle
Maßnahmen der Prävention. Auch ist die Lage in Hinblick auf die
Umweltpolitik und die Agrarpolitik der Regierung sehr ernst.
Die Abholzungen schlagen weiterhin alle Rekorde, im April dieses Jahres wurde einhistorischer Höchstwert bei der Abholzung
im Amazonasgebiet erreicht, und diesem Rhythmus folgen
sämtliche Ökosyssteme in unserem Land. Das Wachstum in der Agrar-
rindustrie für den Export, die Holzernte und der Abbau von
Rohstoffen sind die vordringlichen Gründe für diese Umweltzerstörung. Der Umweltminister wurde aus dem Amt entlassen, nachdem seine Unterstützung für den illegalen Holzexport
öffentlich angeprangert worden war. Der Nachfolger hat nichts
unternommen, um dieses Problem anzugehen. Inmitten all dieser Probleme nehmen Armut und Hunger für viele brasilianischen Familien auf sehr beunruhigende Weise zu. In Anbetracht all
der geschilderten Herausforderungen und ihnen zum Trotz,
kämpfen wir weiterhin um Wege, die Menschen bei einer Verbesserung ihrer Lebensbedingungen zu unterstützen, und um Nachhaltigkeit in der Nutzung der Ressourcen. Im ersten Halbjahr
haben wir trotz der Schwierigkeiten, die wir bei der Verwirklichung
unserer Aktivitäten zu Gunsten der Landarbeiterfamilien hatten, die folgenden Aktivitäten in die Tat umsetzen können:
– Wir haben 20 Landarbeiterfamilien insgesamt 24 Besuche vor Ort mit praktischer technischer Unterstützung abgestattet
– Wir haben zwei Treffen abgehalten, um die Planungen der Produktion von sechs Landarbeiterfamilien genau zu planen
– Wir haben im für acht Familien, die seit diesem Jahr von Mandacaru neu begleitet werden, Analysen und Diagnosen ihrer Produktions-
möglichkeiten erstellt
– Wir haben mit zehn Landarbeiterfamilien, die an einer langfristigen
Begleitung und Schulung durch Mandacaru interessiert sind, eine Versammlung abgehalten
– Wir haben an zwei Videokonferenzen mit der Regierung teilgenommen, in denen die Möglichkeiten für Aktionen zu Guns-
sten der Kleinbauern- Landwirtschaft im Bundesstaat Piauí dis-
kutiert wurden
– Wir haben den Agrarökologischen Markt des Wissens und des Geschmackes [Wortspiel! Port: saberese sabores“] unterstützt. Zu Beginn des Jahres konnte dieser nicht stattfinden, wurde jedoch ab April wieder aufgenommen
– Wir haben die Betreuung in Form von technischer Unterstützung
von sieben Landarbeiterfamilien des Nachbarlandkreises Milton Brandão aufgenommen, die über zwei Jahre laufen wird und die
Verbesserung der Produktion und Vermarktung der Agrarprodukte zum Ziel hat. Außerdem haben wir für dieses Jahr noch folgende
Vorhaben: die Einrichtung von vier beschatteten Feldern, sechs Kur-
se zu selbst hergestellten Futtermitteln, die Fortsetzung der technischen Unterstützung von 22 Landarbeiterfamilien, die
Durchführung von vier Kursen zur Agroökologie und die Veranstaltung von zwei großen Treffen zum Austausch von Ideen und Wissen. Diese Aktivitäten werden in Einklang mit den Möglichkeiten
unter den Bedingungen der Pandemie und ihrer Entwicklung in die Tat umgesetzt und angepasst.
Wir sind gemeinsam mit den von uns begleiteten Familien voller Hoffnung in Hinblick auf unsere Mission, bessere Lebensbedingungen für die Menschen hier in der Halbtrockenzone zu schaffen.
Gott möge Euch segnen und beschützen, indem er Euch Gesundheit
geschenkt und Euer Mitgefühl und die Liebe stärkt.
Eine feste Umarmung von uns allen vom Bildungszentrum Mandacaru!
Francisco de Castro Oliveira
Técnico Agropecuário do CF Mandacaru

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